Als Radfahrer (und Bürger) ernst genommen werden.

Vor genau einem Jahr hatte ich es das erste Mal seit längerer Zeit mal wieder so richtig satt. Nach diversen Nahtoderfahrungen in Verbindung mit professionellen AutofahrerInnen dachte ich, irgend etwas musst Du tun. Es kommen einem dann ja schnell viele wahrscheinlich sehr effektive und lustige Methoden in den Sinn, aber man will ja auch auf der „richtigen Seite“ des Gesetzes bleiben. Also habe ich einfach mal dem Fahrradbeauftragten der Stadt Düren mein Leiden geklagt.

Quelle: pixabay.de

Von: mir
Datum: 20. November 2018 um 19:58:23 MEZ
An: den Fahrradbeauftragten der Stadt
Betreff: Verkehrssituation: (insbesondere) Neue Jülicher Straße

„Sehr geehrter Herr Schmitz,

als Fahrrad-Pendler fahre ich tagtäglich zwischen Birkesdorf und Düren hin und her. Oft mehrfach. Beruflich bedingt nutze ich dabei häufig die Strecke StadtCenter-Bhf-Neue Jülicher Straße. Dabei habe ich regelmäßig unangenehme „Begegnungen“ insbesondere mit dem Automobilverkehr.

Darauf hat man sich als Radfahrer natürlich über die Jahre schon eingestellt und man gewöhnt sich ja auch an so Einiges… Aber inzwischen bin ich es ehrlich gesagt Leid, mich mit ständigen Verstößen gegen die StvO einfach abfinden und sie als dauerhaft gegeben hinnehmen zu müssen.

Diese kurze Strecke ist ein einziger Spießrutenlauf. Zwar bin ich nicht mehr gezwungen, den „Radweg“ – wenn man ihn denn so nennen will – entlang der Josef-Schregel-Straße zu benutzen, eine sichere Fahrt ist aber dennoch aufgrund von ausscherenden Autos, sich öffnenden Autotüren, querenden Fußgängern, den Mindestabstand ignorierenden Autofahrern, Busverkehr sowie mangelhaftem Straßenbelag absolut unmöglich.

Von der Bahnhofskreuzung bis zum Haus für Alle am Nordpark kann man sich als Fahrradfahrer leider auch nur höchst gefährdet fortbewegen. Die „Schutzstreifen“ sind zu meinen Zeiten eigentlich immer von mindestens einem Pkw blockiert, Lieferwagen nutzen alle erdenklichen Stellflächen für Ihre Anlieferungen, Fußgänger verlassen sich beim Queren der Straße augenscheinlich nur auf ihr Gehör, Geschwindigkeitsbegrenzungen werden ignoriert (Mindestabstände sowieso) und die Autofahrer, die aus den schrägen Parktaschen rückwärts wieder rauskommen wollen, können froh sein, wenn sie trotz Schulterblick nicht einen Radfahrer erwischen. Hinzu kommen leider auch jede Menge Radfahrer, die einfach alles ignorieren, was mit der StvO zu tun hat.

Nachdem ich vorige Woche einen mal wieder auf dem „Schutzstreifen“ parkenden Autofahrer auf sein Verhalten aufmerksam machte und ihm eine „gelbe Karte“ vom VCD überließ, verfolgte mich dieser mit seinem Pkw, beschimpfte mich wüst durch‘s Beifahrerfenster und schnippte mir seine brennende Zigarette auf die Jacke. Was muss ich mir als Fahrradfahrer in Düren eigentlich noch gefallen lassen?

Wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin meide ich die beschriebenen Wege prinzipiell. Sowie diverse andere Strecken in Düren. Das ist schon eine Selbstverständlichkeit geworden – aus reinen Selbstschutzgründen. Aber das kann es doch nicht sein, oder?

Zwar nehme ich die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt immer mal wieder wahr, sehe aber nicht, dass diese auch Verkehrsvergehen ahnden. Manchmal habe ich den Eindruck, ich verteile mehr „gelbe Karten“ als das Ordnungsamt Knöllchen. Dabei wären die Einnahmen hieraus doch gut im Haushalt der Stadt aufgehoben – im besten Fall mit pädagogischem Nebeneffekt. Und vielleicht sogar auch noch für eine vernünftige und zukunftsgerichtete Verkehrsinfrastruktur.

Mir ist bewusst, dass sich die Bürgerinitiative ProRad Düren bemüht, solche und andere Defizite in der lokalen Infrastruktur zu thematisieren und dazu auch Lösungsvorschläge zur Diskussion stellt. Ich unterstütze dieses Bemühen ausdrücklich und freue mich, dass sich Dürener Menschen Gedanken über eine lebenswertere Stadt machen und versuchen, damit Gehör zu finden und Dinge in Gang zu bringen. Diese Email schreibe ich Ihnen unabhängig von ProRad – allein als betroffener Fahrradpendler, der trotz offensichtlicher Missstände leider keine Verbesserung im Laufe der Jahre festgestellt hat und nun aufgrund der letzten „freundlichen“ Begegnung einfach nicht mehr akzeptieren will, dass wir Radfahrer nicht als vollwertige, gleichberechtigte Verkehrsteilnehmende wahrgenommen werden.

Daher bitte ich mit folgenden Fragen um eine Rückmeldung von Ihnen als Fahrradbeauftragtem.

Was gedenkt die Stadt zu tun, um die Situation für Fahrradfahrer – und damit aus meiner Sicht letztendlich auch für alle Verkehrsteilnehmenden – an den beschriebenen Stellen zu verbessern? Kurzfristig ganz praktisch und perspektivisch infrastrukturell?

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um dem ständigen Falschparken auf der Neuen Jülicher Straße Herr zu werden?

Mit freundlichen Grüßen…“

Nord-Düren mit dem Rad – lebensgefährlich.

War irgendwie befriedigend, dass das jetzt mal schriftlich, höchst offiziell als Bürgeranfrage an den Beauftragten für uns RadlerInnen in Düren raus war. Wohlwissend, dass ich nicht am nächsten Werktag eine Antwort erwarten kann, wartete ich noch ein paar Tage… Nichts geschah. Ich wartete noch ein paar Tage. Nichts geschah. Copy&Paste, Copy&Paste, Copy&Paste.

Dann fiel bei mir der Groschen. Die naheliegendsten Zusammenhänge sieht man einfach nicht. Ist doch selbsterklärend – wenn ein Beamter in Düren viel um die Ohren haben muss, dann ja wohl der Fahrradbeauftragte! Dass ich da nicht direkt drauf gekommen bin. Aber ich dachte, nach zwei Wochen fragst Du doch allein aus Freundlichkeit einfach nochmal nach:

„Sehr geehrter Herr Schmitz,

vor 14 Tagen habe ich Ihnen eine Email geschrieben (s.u.), aber leider noch keine Antwort darauf erhalten. Ich bitte freundlichst um eine Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen…

Ich wartete noch ein paar Tage, nichts geschah. StrgC/StrgV… StrgC/StrgV… Langsam fing ich an, nir Sorgen zu machen. Da stimmt doch etwas nicht. Nicht, dass dem armen Mann etwas passiert ist. Der ist als Fahrradbeauftragter ja garantiert noch viel mehr mit dem Rad in der Stadt unterwegs als ich Kurzstrecken-Pendler. Bekommt der eigentlich eine Gefahrenzulage bei dem Job?

Ich beschloss, Herrn Raßmanns, Klimaschutz- und Mobilitätsmanager, Amt für Tiefbau & Grünflächen – Abt. Planung, anzuschreiben.

Mit Warnblinkanlage darf man alles…

Von: mir
Gesendet: Montag, 10. Dezember 2018 07:50
An: Raßmanns, Benjamin
Betreff: Fahrradbeauftragter

Sehr geehrter Herr Rassmanns,

ich habe den Fahrradbeauftragten angeschrieben, bekomme aber leider keine Antwort von ihm. Kann ich noch mit einer Reaktion rechnen? Siehe unten.

Mit freundlichen Grüßen…“ (Mails angehängt.)

Ich wartete noch ein paar Tage, nichts geschah. Copy&Paste…

Dann, zehn Tage später, kam das lang ersehnte Weihnachtsgeschenk per Mail in meinem Postfach an! Eine Rückmeldung! Nach einem Monat! Na gut, nicht vom Fahrradbeauftragten selbst, aber dafür war noch eine mir (bis heute) unbekannte Personen (bestimmt DSGVO-konform) ins CC: gesetzt.

Scheiße geparkt!

Von: Raßmanns, Benjamin
Datum: 20. Dezember 2018 um 14:05:31 MEZ
An: mich
Kopie: Fahrradbeauftragter, Joussen, Jürgen
Betreff: AW: Fahrradbeauftragter

(Anmerkung: Hervorhebungen von mir.)

„Sehr geehrter Herr Farber,

zunächst einmal besten Dank für Ihren Einsatz zu den Themen Klimaschutz und Fahrradverkehr. Der Kollege Schmitz hat eine Bearbeitung ihrer Angelegenheit vor seine Urlaub wohl zeitlich nicht mehr geschafft. Stellvertretend kann ich aber gerne auf Ihre Fragen eingehen.

Die Kollegen der Verkehrsüberwachung im Amt für Recht und Ordnung verfügen seit diesem Jahr über elektrische Dienstfahrräder um gezielt Parkverstöße auf Fahrradwegen und Fahrradschutzstreifen zu ahnden. Dieser Einsatz ist bei den Radfahrerinnen und Radfahrern auf positive Resonanz gestoßen und wird deshalb insbesondere bei gutem Wetter weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden.

In der Neuen Jülicher Straße handelt es sich um einem Sonderfall. Für den Fahrradverkehr sind hier Ende der 1990er Jahre sogenannte Mehrzweckstreifen markiert worden. Für diese gibt es in der aktuellen StVO keine Rechtsgrundlage, sodass ein Parken auf der markierten Radverkehrsanlage leider nicht ordnungsrechtlich verfolgt werden kann. Der Querschnitt der Straße lässt ein Markieren mit den heute für den Fahrradverkehr vorgesehen Schutzstreifen leider nicht zu (hier ist ein Parken durch KFZ verboten). In der Neuen Jülicher Straße besteht deshalb bzgl. zukünftig infrastruktureller Maßnahmen eine ähnliche Problematik, wie Sie in der beigefügten Beschlussvorlage in der Bürgewaldstraße und Arnoldusstraße in der Ortslage Arnoldsweiler besteht. 

Vom Fachamt bestehen aktuell Überlegungen, ein Radvorrangroutensystem für die Stadt Düren zu entwickeln. Hierbei sollen sogenannt Radvorrangrouten (Radschnellwege, Fahrradstraßen) parallel zu den bestehenden Hauptverkehrsstraßen zu konzipiert werden. Ggf. bietet sich in der Konzepterstellung dann auch ein Lösungsvorschlag für die Neue Jülicher Straße. Aufgrund der engen personellen Kapazitäten im Amt für Tiefbau und Grünflächen, kann ich bzgl. der Erstellung und Umsetzung eines solchen Konzeptes leider keine konkreten Aussagen machen.

Es tut mir leid, Ihnen keine konkretere Antwort geben zu können. Wünsche Ihnen aber dennoch ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Mit freundlichem Gruß
Im Auftrag
Benjamin Raßmanns
(Klimaschutz- und Mobilitätsmanager)“

Quelle: pixabay.de

Ich muss mich erstmal sammeln und damit klarkommen, überhaupt noch eine Rückmeldung bekommen zu haben – nach exakt einem Monat! Als Weihnachtsgeschenk! War bestimmt nicht zynisch gemeint, kam aber ein bißchen so rüber in dem Moment.

Dafür, dass man als Fahrradbeauftragter nicht direkt auf Mails reagieren kann, habe ich total Verständnis (siehe oben). Ich hätte mich trotzdem über eine kurze Antwort á la „melde mich nach meinem Urlaub bei Ihnen“ oder eine Abwesenheitsnotiz, falls der Urlaub schon angetreten gewesen sein sollte, gefreut. Gehört eigentlich zur Netiquette. Wie auch immer, ich habe letztendlich ja eine Rückmeldung bekommen, vom Fahrradbeauftragten selber aber bis heute nichts gehört.

Aber zurück zum eigentlichen Inhalt von Hr. Raßmanns Mail: „Die Kollegen der Verkehrsüberwachung im Amt für Recht und Ordnung verfügen seit diesem Jahr über elektrische Dienstfahrräder um gezielt Parkverstöße auf Fahrradwegen und Fahrradschutzstreifen zu ahnden. Dieser Einsatz ist bei den Radfahrerinnen und Radfahrern auf positive Resonanz gestoßen und wird deshalb insbesondere bei gutem Wetter weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden.“

Wow, das Ordnungsamt besitzt Fahrräder! Und die sind sogar elektrisch – wie komfortabel! Ich strample immer noch unbezahlt und mit Muskelkraft, da ist mir das Ordnungsamt einen Schritt voraus. Und diese Räder werden eingesetzt, um gezielt Parkverstöße zu ahnden? Innovativ! Allein, ich sehe sie nicht! Nun gut, ich fahre auch bei schlechtem Wetter…

Da scheinen die ja wohl eher selten unterwegs zu sein. Das dahinterliegende Konzept lautet wahrscheinlich: Bei schlechtem Wetter kein Bedarf, da wird ja auch nicht falsch geparkt und es fahren eh keine RadlerInnen, die gefährdet werden könnten. Problem gelöst. Ferner ist wahrscheinlich die Gefahr der Erkrankung der KollegInnen auf den Diensträdern bei Regentropfen ein Argument für deren marginalen Einsatz. Wer soll denn dann überhaupt noch Rad-Streife fahren, wenn die alle krank sind? Kann ich nachvollziehen… Von den Gefährdungen, die die BeamtInnen im Dürener Straßenverkehr als ZweradlerInnen bedroht wären mal ganz abgesehen.

Dass diese (wenn ich mir Schenkelstraße etc. anschaue wohl nicht besonders effektive) Maßnahme bei uns Radfahrenden „auf positive Resonanz gestoßen“ sei, konnte ich persönlich so noch nicht feststellen. Genauso wenig wie die eigentliche Maßnahme in Aktion. Obwohl ich mich ab und zu auch mal mit „ein paar“ FahrradfahrerInnen austausche und töglich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin.

Hat man dieses positive Feedback bzw. die Maßnahme irgendwie richtig evaluiert oder ist das nur „Hörensagen“? Schließlich scheint das ja das Argument dafür zu sein, dass diese (durchaus als positiv zu bewertende Maßnahme) „weiterhin stattfinden“ sollte – „insbesondere bei gutem Wetter weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche“.

Dass die Frequenz der Überwachung an die Wetterlage gebunden ist, wundert mich dann aber doch ein wenig. Bei schlechtem Wetter fährt dann niemand raus? Oder nur einmal pro Woche, weil‘s ja sonst zu ungemütlich ist? Und wie lange fahren die dann eigentlich pro Einsatz rum und welche Straßen nehmen die sich zu welcher Uhrzeit vor? Unfassbar halbherzig, konzeptionell fehlgeplant und durchgeführt das Ganze – zumindest aus meiner täglichen Outsider-Sicht als „Wind-und-Wetter-Radfahrer“. Zwei- bis dreimal pro Woche bei gutem Wetter… LOL! (Dafür kann selbstverständlich Hr. Raßmanns nichts.)

„Vom Fachamt bestehen aktuell Überlegungen, ein Radvorrangroutensystem für die Stadt Düren zu entwickeln.

Es „bestehen aktuell Überlegungen“, einen Plan zu entwickeln? Na toll. Im Klimaschutz-Teilkonzept sind vielfache Einzelmaßnahmen bereits beschrieben (Mai 2015). Keine schlechte Basis für ein Konzept. Das heißt aber jetzt: Selbst das Wenige, das bisher umgesetzt wurde, wurde ohne ein vernünftiges Konzept realisiert? Bei so einer Mammut-Aufgabe? Ich überspitze mal (wieder): Planlos ein paar Striche auf die Fahrbahn gepinselt und hier und da mal eine Radfahranlage saniert oder neu geschaffen, sowie ein paar Schilder auf- und abgehängt – viel mehr ist seit 2015 nicht passiert?

Dem Mobilitätsmanager kann man dabei wahrscheinlich am allerwenigsten „Schuld geben“. Ich kann mir ganz im Gegenteil sehr gut vorstellen, dass unser Mobilitätsmanager gerne viel viel mehr Vernünftiges machen würde. Ich will da auch überhaupt keine persönliche Kritik üben. Ganz und gar nicht! Ohne politischen Willen, ausreichende Finanzmittel, Personalkapazitäten und Konzepte ist das eine ziemliche Herkules-Aufgabe! Den Job will ich nicht haben.

Ich sehe (zumindest auf den Strecken, die mir bekannt sind) nicht, dass man die für eine zukunftsgerichtete innerstädtische Verkehrsinfrastruktur notwendigen Maßnahmen, sprich Neu- oder Umverteilung des gemeinsam von Pkw, Fußgänger und Rad genutzten Verkehrsraumes auch nur ansatzweise angeht. Nein, man streitet sich lieber monatelang um zwei wegfallende Parkplätze!

Obwohl ich E-Autos grundsätzlich an dieser Stelle nicht kritisiere (Öko-Effekt contra Herstellungs-Folgen und Tanken von Braunkohle-Strom mal dahingestellt), halte ich bspw. auch die Entscheidung der Stadt, E-Autos kostenlos parken zu lassen für zumindest fragwürdig oder (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht zu Ende gedacht. Sie setzt nämlich weiterhin das Signal: mehr Autos in unsere Innenstädte! Mehr Platz für Autos! Autos beleben unsere Viertel! Am besten noch als Öko-Image-Zweitauto neben dem SUV.

Kein Umdenken in Sicht. Ich reagiere inzwischen recht allergisch, wenn von „Verkehrswende“ oder so unaussprechlichen Begriffen wie „Radvorrangroutensystem“ die Rede ist.

Ich finde, wir brauchen das genaue Gegenteil der Einstellung „Parkplätze beleben unser Viertel.“ (Weierstraße)

Mehr Räume für Menschen, für Kommunikation, Verweilen, Genießen, Flanieren, Feiern, Lebendig-Grünes, abgas- und lärmarmen Verkehr… Und meinetwegen auch Konsum. Der Einzelhandel würde auch in der Weierstraße garantiert nicht zum Erliegen kommen. Ganz im Gegenteil. Hätten unsere Städte mehr Aufenthaltsqualität für echte Menschen anstatt für riesige tote Blechbüchsen, würde dies dem Einzelhandel vielleicht gar nicht schaden. Längere, gesündere, stressfreiere Aufenthaltszeiten in der schöneren Stadt, besser gelaunte Menschen, eine ganz andere Geräuschkulisse und allgemeine Atmosphäre ohne Autozentrismus… Man mag sich das gar nicht ausmalen. Utopien. Nicht in den Niederlanden, aber bei uns.

Vielleicht an anderer Stelle ein paar Gedanken zum Masterplan Dürener Innenstadt

Nadelöhr Nord-Düren. Autofahrer werden auf der Josef-Schregel-Straße regelrecht dazu eingeladen, auf dem „Mehrzweckstreifen“ zu halten und zu parken, um mal eben zur Bäckerei und zur Apotheke zu gehen. Dabei ist direkt links ein großer Parkplatz. Warum kein absolutes Halteverbot an der gefährlichen Stelle? Ach so, weil sich eh keiner dran halten würde und die Stadt aus Prinzip nicht abschleppen lässt, wenn nur RadfahrerInnen gefährdet werden?

Zurück zur Mail: Dann wird der „Sonderfall“ Neue Jülicher Straße beschrieben. Kann ich bis zu dem Punkt nachvollziehen, an dem man anfangen könnte, über Mindestmaße, Normgrößen und ERA-Empfehlungen hinaus an kreativen, effektiven Lösungen zu arbeiten. Beispielsweise mehr absolute Halteverbote (Josef-Schregel-Straße zwischen Bahnhofskreuzung und Ecke Alte/Neue Jülicher oder einfach mal jemanden zur Kontrolle hinschicken. Bezüglich der Strecke StadtCenter-Bahnhofskreuzung schreibt Hr. Raßmanns nichts.

„Hierbei (bei dem noch zu entwickelnden Konzept) sollen sogenannt Radvorrangrouten (Radschnellwege, Fahrradstraßen) parallel zu den bestehenden Hauptverkehrsstraßen zu konzipiert werden. Ggf. bietet sich in der Konzepterstellung dann auch ein Lösungsvorschlag für die Neue Jülicher Straße. Aufgrund der engen personellen Kapazitäten im Amt für Tiefbau und Grünflächen, kann ich bzgl. der Erstellung und Umsetzung eines solchen Konzeptes leider keine konkreten Aussagen machen.“

Ich fasse kurz zusammen: Es soll irgendwann mal ein Konzept erarbeitet werden, in dem manche Fahrrad-Maßnahmen aus dem Klimaschutz-Teilkonzept (2015) verwirklicht werden sollen. Bis dahin arbeitet man also ohne Konzept weiter, um sich dann bei der neuen Konzepterstellung mit bereits konzeptlos durchgeführten Einzelmaßnahmen erneut beschäftigen zu müssen, die ja dann vielleicht gar nicht mehr in das (noch zu erarbeitende) Konzept rein passen, weil sie nicht von Anfang an zusammenhängend mitgedacht werden konnten. Das macht Sinn, spart Geld und Kapazitäten! Liest sich allerdings auch wie eine Episode aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Ich sage nur „Hyperraum-Umgehungsstraße“. „Wo waren die Baupläne nochmal?“

Nun gut, das ist jetzt genau ein Jahr her. Und wie ist der aktuelle Stand? Da hat sich doch bestimmt einiges getan. Eine google-Suche nach „Fahrrad Konzept Düren“ führt ins Nichts. Ich finde das Klimaschutz-Teilkonzept (2015), sonst nicht viel. Beim kürzlichen Innenstadtforum der Stadt zum Thema „Besser Radfahren in Düren“ erfuhr ich von Hr . Koschorreck, Vorsitzender des Verkehrs- und Bauausschusses, dass die Stadt JETZT ein entsprechendes Konzept in Auftrag geben will.

Innenstadtforum

Noch Fragen?



5 Kommentare zu „Als Radfahrer (und Bürger) ernst genommen werden.

  1. Hat dies auf Radfahren! in Düren rebloggt und kommentierte:
    Radwegkonzept der Stadt Düren

    Zitat:
    Es soll irgendwann mal ein Konzept erarbeitet werden, in dem manche Fahrrad-Maßnahmen aus dem Klimaschutz-Teilkonzept (2015) verwirklicht werden sollen. Bis dahin arbeitet man also ohne Konzept weiter, um sich dann bei der neuen Konzepterstellung mit bereits konzeptlos durchgeführten Einzelmaßnahmen erneut beschäftigen zu müssen, die ja dann vielleicht gar nicht mehr in das (noch zu erarbeitende) Konzept rein passen, weil sie nicht von Anfang an zusammenhängend mitgedacht werden konnten.

    (dieser Blog ist privat)

    Liken

  2. Zum Thema Falschparker schreib Critical Mass Aachen folgendes

    Wenn der Bericht der Aachener Zeitung/ Aachener Nachrichten über Stadtpate in den Kommentarspalten eins gezeigt hat, dann, wie egoistisch viele Falschparker sind. Da wird aus der Notwehr Drittanzeige eine „Denunzieren“, da leidet ….

    weiterlesen

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  3. Ein Grund, warum ich facebook für diese Themen nur noch marginal nutzen werde. Trolle und Unwissende sind zwar manchmal ganz putzig, nerven dann aber doch letztendlich. Und tragen Null zu einer vernünftigem Diskussion bei. Auf lokalen Dürener facebook-Seiten tue ich mir das nicht mehr an. Zwecklos. In der eigenen Filterblase (bspw ADFC facebook-Seite) geht‘s noch einigermaßen. Interessante soziologische Prozesse… 😉

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  4. Danke für diesen Blog. Du beschreibst den täglichen Wahnsinn sehr genau.
    Gibt es diesen Fahrradbeauftragten ganzjährig oder ist der, genauso wie die Meldeplattform RADar, nur zum Stadtradeln Zeitraum zu erreichen?
    Die Mitarbeiter vom Ordnungsamt mit el. Fahrrädern scheinen eine seltene Spezies zu sein, habe noch von keiner Sichtung gehört.
    „Es bestehen aktuell Überlegungen etwas zu entwickeln…“ Dieser Satz löst ein Dejavu bei mir aus, den habe ich, vor ein paar Wochen, bei der Veranstaltung bei der ev. Gemeinde, fast wortwörtlich schon einmal gehört. Damals als Publikumsmeldung. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Fortschritte in Düren, erklären sich damit allerdings von ganz alleine.

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